Drei Dinge vorweg, die Sie beruhigen dürfen: nicht ansteckend, kein Anzeichen für Krebs – und die Haarfollikel bleiben meist erhalten. Was dahintersteckt, wie der Verlauf typischerweise aussieht und welche Schritte jetzt sinnvoll sind.
Kreisrunder Haarausfall – medizinisch Alopecia areata – ist eine Autoimmunreaktion: Das Immunsystem greift Haarfollikel an, wodurch runde, scharf begrenzte kahle Stellen entstehen.
Typisch sind eine oder mehrere runde bis ovale, scharf begrenzte kahle Stellen – meist am Kopf, manchmal auch im Bart, an Augenbrauen oder Wimpern. Die Haut in den betroffenen Arealen ist in der Regel glatt und unauffällig, ohne Rötung, Schuppung oder Narben. Das unterscheidet das Bild von anderen Haarausfall-Formen: Beim erblich bedingten Haarausfall lichtet sich das Haar allmählich in typischen Zonen, beim diffusen Haarausfall geht es gleichmäßig am ganzen Kopf aus.
Wichtig: Eine runde kahle Stelle kann auf Alopecia areata hinweisen – sie kann aber auch andere Ursachen haben, etwa Pilzinfektionen der Kopfhaut. Deshalb gehört die Einordnung in die dermatologische Praxis, nicht in die Selbstdiagnose.
Kein Anzeichen für Krebs. Der Mechanismus ist ein völlig anderer als bei einer Krebserkrankung.
Sie können niemanden „anstecken" und haben sich bei niemandem angesteckt – keine Infektion.
Das ist die Grundlage dafür, dass Nachwachsen in vielen Fällen möglich ist.
Was die Erkrankung allerdings sein kann: emotional belastend. Das ernst zu nehmen gehört zu einer guten Behandlung dazu – sprechen Sie es beim Arzttermin offen an.
Die Grundlage ist eine Autoimmunreaktion: Abwehrzellen des Immunsystems greifen die Haarfollikel an und unterbrechen deren Wachstum. Warum das Immunsystem so reagiert, ist bis heute nicht vollständig geklärt; eine erbliche Veranlagung spielt eine Rolle, und Alopecia areata tritt statistisch häufiger gemeinsam mit anderen autoimmunen Erkrankungen auf – etwa der Schilddrüse.
Und der Stress? Kaum eine Frage wird häufiger gestellt. Die ehrliche Einordnung: Belastende Phasen werden als möglicher Mitauslöser diskutiert – als alleinige Ursache taugt Stress aber nicht, denn der Kern der Erkrankung ist die Autoimmunreaktion.
Sie haben sich das nicht selbst „angetan".
Die verbreitete Vorstellung, wer kreisrunden Haarausfall bekommt, habe „zu viel Stress gehabt" und sei selbst schuld, ist weder fair noch medizinisch haltbar.
Die wichtigste Nachricht zuerst: Bei der Alopecia areata werden die Haarfollikel angegriffen, aber in den meisten Fällen nicht zerstört. Sie bleiben unter der Haut erhalten – und genau deshalb ist ein Nachwachsen möglich und gerade bei ersten Episoden mit einzelnen, kleinen Stellen häufig. Nachwachsende Haare sind anfangs manchmal fein oder hell und normalisieren sich oft im Verlauf.
Ehrlich gehört aber auch dazu: Der Verlauf ist schwer vorhersehbar. Stellen können sich zurückbilden und an anderer Stelle neu auftreten; Rückfälle sind möglich. In seltenen, schweren Formen weitet sich der Haarverlust aus:
Diese Verläufe sind die Ausnahme, nicht die Regel – sie gehören aber in engmaschige fachärztliche Betreuung.
Zuständig ist die dermatologische Praxis. Zur Abklärung gehören typischerweise die Untersuchung von Kopfhaut und Haaren (häufig mit Trichoskopie, einer Auflichtmikroskopie), die Anamnese – und je nach Verdacht eine Blutuntersuchung, etwa der Schilddrüsenwerte, da autoimmune Begleiterkrankungen möglich sind. Bei Kindern ist die kinderärztliche bzw. kinderdermatologische Abklärung der richtige Weg.
Je nach Ausdehnung und Verlauf kommen verschiedene Optionen infrage – von örtlich angewendeten, entzündungshemmenden Präparaten (häufig kortisonhaltig) bis zu systemischen Therapien bei schweren Verläufen. Welche Option in welcher Form für Sie geeignet ist – und ob überhaupt behandelt werden muss oder zunächst beobachtet werden kann –, ist eine ärztliche Entscheidung im Einzelfall. Auch auf die häufige Frage „welches Kortison?" gibt es deshalb nur eine seriöse Antwort: keines in Eigenregie – Auswahl, Form und Dauer gehören in ärztliche Hände.
Für Hausmittel gibt es bei einer Autoimmunreaktion keine belegte Wirksamkeit – und von reizenden Anwendungen auf der Kopfhaut ist abzuraten. Verlorene Zeit ist hier der eigentliche Preis: Je unklarer der Verlauf, desto wertvoller die frühe fachärztliche Einordnung.
Sie pflegen das vorhandene Haar, beeinflussen die Autoimmunreaktion aber nicht.
Runde kahle Stellen im Bartbereich sind häufig dieselbe Erkrankung (Alopecia barbae genannt). Auch hier gilt: dermatologische Abklärung zuerst. Und ein Hinweis aus unserer Praxis: Auf aktiv betroffene Bartareale wird nicht transplantiert – warum, erklären wir im nächsten Abschnitt.
Alopecia areata betrifft Frauen und Männer; bei Frauen ist die emotionale Belastung durch sichtbare Stellen oft besonders hoch, und längeres Haar kann kleinere Areale zeitweise kaschieren. Die Abklärung unterscheidet sich nicht grundsätzlich – einen Überblick über alle Haarausfall-Formen bei Frauen finden Sie in unserem Beitrag Haarausfall bei Frauen.
Kreisrunder Haarausfall kommt auch im Kindesalter vor. Die Einordnung und Behandlung gehören hier in kinderärztliche bzw. kinderdermatologische Betreuung.
Diese Frage beantwortet Ihnen kaum eine Website – wir tun es, obwohl (oder gerade weil) wir eine Praxis für Haartransplantationen sind:
Bei aktiver Alopecia areata ist eine Haartransplantation in der Regel nicht geeignet.
Der Grund liegt im Mechanismus der Erkrankung: Die Autoimmunreaktion richtet sich gegen Haarfollikel – und würde auch transplantierte Follikel angreifen. Eine Verpflanzung in aktiv betroffene Areale wäre also nicht nur wirkungslos, sondern würde wertvolle Grafts aus dem Spenderbereich verschwenden.
Der richtige Weg bei kreisrundem Haarausfall führt deshalb zuerst in die Dermatologie – nicht in eine Haarklinik. Erst wenn eine Erkrankung über lange Zeit vollständig zur Ruhe gekommen ist und dauerhaft haarlose, stabile Areale zurückgelassen hat, kann eine Transplantation im Einzelfall überhaupt diskutiert werden – und auch dann nur nach sorgfältiger fachärztlicher Beurteilung. Wer Ihnen bei aktiver Alopecia areata eine Haartransplantation verkauft, handelt nicht in Ihrem Interesse.
Eine Autoimmunerkrankung (Alopecia areata), bei der das Immunsystem Haarfollikel angreift. Es entstehen runde, scharf begrenzte kahle Stellen – meist am Kopf, manchmal auch im Bart oder an den Augenbrauen. Die Erkrankung ist nicht ansteckend und kein Anzeichen für Krebs.
Häufig ja: Die Follikel bleiben meist erhalten, weshalb Nachwachsen möglich und gerade bei ersten, kleinen Stellen häufig ist. Der Verlauf ist allerdings individuell und schwer vorhersehbar; Rückfälle kommen vor.
Ruhe bewahren und einen Termin in der dermatologischen Praxis vereinbaren – zur Bestätigung der Diagnose, zum Ausschluss anderer Ursachen und zur Besprechung, ob und wie behandelt werden sollte. Von Selbstbehandlungen mit Hausmitteln ist abzuraten.
Belastende Phasen werden als möglicher Mitauslöser diskutiert, die eigentliche Ursache ist aber eine Autoimmunreaktion mit erblicher Veranlagung. „Selbst schuld durch Stress" ist weder fair noch medizinisch haltbar.
Die Dermatologin oder der Dermatologe; bei Kindern die kinderärztliche bzw. kinderdermatologische Praxis. Zur Abklärung gehören Untersuchung von Haut und Haaren und je nach Verdacht eine Blutuntersuchung, etwa der Schilddrüse.
In der Regel nein: Die Autoimmunreaktion würde auch transplantierte Follikel angreifen. Bei aktiver Erkrankung ist eine Transplantation deshalb nicht geeignet; nur bei seit Langem vollständig ruhenden, stabilen Arealen kann sie im Einzelfall fachärztlich geprüft werden.
Bei kreisrundem Haarausfall ist die dermatologische Praxis die richtige erste Anlaufstelle – das sagen wir Ihnen als Haarklinik ganz offen. Wenn Sie unsicher sind, welche Form von Haarausfall bei Ihnen vorliegt, oder wenn nach einer langen stabilen Phase die Frage nach einer Behandlung dauerhaft haarloser Areale im Raum steht, können Sie bei Ku'damm Aesthetic in Berlin eine kostenlose Haaranalyse vereinbaren – mit einer ehrlichen Einschätzung, auch wenn sie „das gehört zuerst in dermatologische Behandlung" lautet.
Kostenlose Haaranalyse vereinbarenDieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich bitte an eine qualifizierte Ärztin oder einen qualifizierten Arzt.